Anwendungsbereiche der Dunkelfeldmikroskopie

Anwendungsbereiche der Dunkelfeldmikroskopie

Die Mikroskopie verzauberte schon sehr früh die Menschen und bedeutet in erster Linie nur, dass man etwas sehr Kleines betrachtet. Damit man nun diese kleinen Dinge betrachten kann, erzielten die Menschen mit Wassertropfen schon früh einen ersten Lupeneffekt. Dieser Vergrößerungseffekt mittels Wasser ist seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. belegt. Wann genau das erste Lichtmikroskop gebaut wurde, da schätzt man, dass dies in den Niederlanden um 1600 geschehen ist, relativ zeitgleich mit der Erfindung der ersten Teleskope. Wobei man natürlich sagen muss, dass Glas schon im alten Ägypten seit etwa 1450 v. Chr. zu Gefäßen verarbeitet wurde. Und die Erfindung der Lupe stammt aus dem arabischen Raum im 11. Jahrhundert nach Christus. Besonders Tuchhändler benötigten Vergrößerungsgläser um Stoffe auf ihre Qualität prüfen zu können, aber auch für militärische Zwecke benötigte man Ferngläser, was ja auch einem Vergrößerungseffekt beinhaltet. So gab es also viele Anwendungsbereiche und man denke nur an Galileo Galilei (1564-1641), der bereits Himmelskörper mit einem Teleskop betrachtete. Ein genialer Mikroskop-Forscher und Entdecker war Antoni van Leeuwenhoek (1632-1723). Van Leeuwenhoek beschrieb erstmals drei Bakterienformen, nämlich Bazillen, Kokken und Spirillen. Bewundernswert ist, dass es lange dauerte nach Leeuwenhoeks Tod, also fast 250 Jahre, bis wieder Mikroskope mit vergleichbar hoher Auflösung konstruiert werden konnten. Leeuwenhoeks baute hunderte von Mikroskopen und verriet nicht seine besondere Technik. 1675 beschrieb van Leeuwenhoek, wie er mittels Dunkelfeldmikroskopie rote Blutkörperchen dargestellt hat. Auch wenn zu dieser Zeit diese Mikroskopie-Techniken noch nicht unterschieden worden sind, so kann man aber anhand seiner Beschreibungen davon ableiten, dass es sich um Dunkelfeldmikroskopie gehandelt hat.

van Leeuwenhoek rote Blutkörperchen im Dunkelfeldmikroskopie
van Leeuwenhoek Dunkelfeldmikroskopie
Quelle: https://books.google.de/books?id=qiYiDAAAQBAJ&pg=PA58&lpg=PA58&dq=leeuwenhoek+darkfield&source=bl&ots=SJGwrYyDIs&sig=ACfU3U0C-d6r-ssL1IIMGTeWZyANH4rKfg&hl=de&sa=X&ved=2ahUKEwjrhIKH7_rgAhWRDuwKHVtaCGQQ6AEwAHoECAkQAQ#v=onepage&q=leeuwenhoek%20darkfield&f=false

 

Also rechnen wir kurz einmal nach, zu dem Zeitpunkt, wo ich dies hier schreibe, haben wir das Jahr 2019 und van Leeuwenhoek mikroskopierte rote Blutkörperchen 1675, dann sind jetzt 344 Jahre vergangen. So kann man schlussfolgern, dass die Dunkelfeldmikroskopie mindestens 344 Jahre alt ist und dieses Zitat verrät auch einen Anwendungsbereich, nämlich die Darstellung von den roten Blutkörperchen (Erythrozyten) im Dunkelfeld.

 

Was ist Dunkelfeldmikroskopie?

Was wohl die meisten kennen werden, ist dasselbe Phänomen, wie wenn Lichtstrahlen in einen dunklen Raum hineinfallen und die Staubpartikel innerhalb des Lichtstrahls deutlich sichtbar werden. Oder aber auch Gartenstrahler, die im Dunkeln innerhalb ihres Strahlenkegels Insekten und Stäube deutlich hervorheben.

In der Dunkelfeldmikroskopie wird das Präparat von der Unterseite so angestrahlt, so dass die Beleuchtung nicht direkt in das Objektiv gelangt, sondern nur das vom Präparat abgelenkte Licht. Der Hintergrund des Bildes erscheint somit dunkel, während sogar kontrastarme Elemente (Bakterien, Zellen, Blutbestandteile, Kristalle, Würmer etc.) im Präparat hell erscheinen und optisch deutlich hervortreten.

Die Dunkelfeldmikroskopie ist schon eine recht alte Technik und bereits im 17. Jahrhundert wurde Dunkelfeldmikroskopie von Antoni van Leeuwenhoek, Robert Hooke und Christiaan Huygens angewendet, um Blutbestandteile oder Kleinlebewesen zu beobachten.

Dunkelfeldmikroskopie Kondensor
Dunkelfeldmikroskopie-physikalisches Prinzip

 

Die Dunkelfeldmikroskopie als Erregernachweis von Spirochäten

 

Gucken wir einmal nach, was das Robert Koch Institut zur Diagnostik der Syphilis schreibt.

RKI Diagnostik Syphilis
RKI Diagnostik der Syphilis u.a. mit einem Dunkelfeldmikroskop
Quelle: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Syphilis.html;jsessionid=33BF11D88EAA04020686C53BB62D1001.1_cid290#doc2382636bodyText9

 

Gerade bei der Untersuchung von Syphilis-Spirochäten taucht die Dunkelfeldmikroskopie oft auf.

 

Diagnostik Syphilis
Diagnostik Syphilis
Diagnostik Syphilis mit DFM
Diagnostik Syphilis mit DFM
Quelle: https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/059002l_S2k_Diagnostik_Therapie_Syphilis_2014_07.pdf

 

Liste von gynäkologischen Büchern, die die Dunkelfelduntersuchung bei der Treponema pallidum (Syphilis-Spirochäte) erwähnen.

Wikipedia dazu:

 

Dunkelfeldmikroskopie von Erregern in Zecken

Auch in Untersuchungen von Zecken findet man die Dunkelfeldmikroskopie. Berühmtester Forscher war hier der Dr. Wilhelm (Willy) Burgdorfer (nach ihm wurde die Borreliella burgdorferi benannt). Willy Burgdorfer arbeitete 64 Jahre lang mit dem Dunkelfeldmikroskop und entdeckte damit nicht nur Borrelien, sondern auch Rickettsien.

Spirochaeta duttoni im Dunkelfeld Willy Burgdorfer
Spirochaeta duttoni Willy Burgdorfer

Spirochaeta duttoni im Dunkelfeld Willy BurgdorferSpirochaeta duttoni im Dunkelfeld Willy Burgdorfer

Spirochaeta duttoni im Dunkelfeld Willy Burgdorfer

Quelle: (Zeitschrift) Acta Tropica, Band (Jahr): 8 (1951), Heft 3, Seite 198f., Will Burgdorfer
Willy Burgdorfer entdeckte Borrelia burgdorferi
Willy Burgdorfer entdeckte Borrelia burgdorferi
Quelle: Elektronenmikroskopische Untersuchungen an Borrelien (Ultrastruktur und Immuncytologie)/ Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Naturwissenschaften an der Fakultät für Biologie der Ludwig-Maximilians-Universität München vorgelegt von Birgit Rößle; Juli 2001
Willy Burgdorfer berichtet über Borrelia burgdorferi
1983 Willy Burgdorfer berichtet über Borrelia burgdorferi
Quelle: Discovery of the Lyme Disease Spirochete and Its Relation to Tick Vectors, THE YALE JOURNAL OF BIOLOGY AND MEDICINE; 57 (1984), 515-520, WILLY BURGDORFER, Ph. D. Department of Health and Human Services, Public Health Service, National Institutes of Health, National Institute of Allergy and Infectious Diseases, Epidemiology Branch, Rocky Mountain Laboratories, Hamilton, Montana; Received November 16, 1983
Detection and Typing of Borrelia burgdorferi Sensu Lato in Ixodes ricinus
Quelle: Detection and Typing of Borrelia burgdorferi Sensu Lato in Ixodes ricinus Ticks Attached to Human Skin by PCR, Gabriele Liebisch, Bettina Sohns, Wilfried Bautsch, 1998 American Society for Microbiology

https://jcm.asm.org/content/36/11/3355.short

https://jcm.asm.org/content/jcm/36/11/3355.full.pdf

 

Dunkelfeldmikroskopie in Doktorarbeiten (Dissertationen)

Diese Mikroskopier-Technik wird meist verwendet beim Auszählen der Kulturspirochäten (Borreliella burgdorferi), um für Versuche eine gleichmäßige Anzahl von Spirochäten zu erhalten.

Hier folgen 10 Beispiele mit original Zitaten.

DFM Dunkelfeldmikroskopie Dissertation

Quelle: Lipide von Borrelia burgdorferi, Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Medizin des Fachbereichs Humanmedizin der Justus-Liebig-Universität Giessen, vorgelegt von Mohammad Hamid Hossain aus Karachi, Giessen 1999

Quelle: Untersuchungen zur Häufigkeit von Borrelia burgdorferi sensu lato, Anaplasma phagocytophilum und Babesia spp. in Ixodes ricinus aus Bayern und Baden-Württemberg, Inaugural-Dissertation zur Erlangung der tiermedizinischen Doktorwürde der Tierärztlichen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, von Sarah Leonhard aus Wiesbaden, München 2005

Quelle: Generierung eines rekombinanten Immunoblots als Bestätigungstest einer Infektion mit Borrelia burgdorferi, Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Medizin dem Fachbereich Medizin der Universität Hamburg vorgelegt von Johannes Albrecht Christian Haes aus Bonn, Hamburg 2003

DFM Dunkelfeldmikroskopie Dissertation

Quelle: Infektionen mit Borrelia burgdorferi sensu lato und deren serologischer Nachweis mittels spezifischer C6-Peptide bei Hunden sowie im murinen Infektionsmodel, Inaugural-Dissertation zur Erlangung des Grades eines Doctor medicinae veterinariae (Dr. med. vet.) durch die Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig, eingereicht von Inke Krupka aus Hannover, Leipzig, 2010

 

Dunkelfeldmikroskopie in der alten Literatur

 

Nach der Entdeckung des Läuserückfallfiebers 1873 (Borrelia recurrentis) begann eine Zeitenwende in der Bakteriologie, wo man sich besonders dem Dunkelfeldmikroskop verschrieb, wenn es um die Entdeckung von Spirochäten ging. 1905 wurde erstmals die Treponema pallidum (Erreger der Syphilis) entdeckt und 1913 gelang es HIDEYO NOGUCHI, M.D. from the Laboratories of the Rockefeller Institute for Medical Research, New York, im Gehirn eines Menschen diese Spirochäte einer Neuro-Syphilis zuzuordnen. Durch die afrikanischen Kolonien Deutschlands, weshalb man mit sehr vielen neuen Erregern zu kämpfen hatte, blühte die Bakteriologie regelrecht auf und auch die Dunkelfeldmikroskopie-Technik verbesserte sich sehr.

Weitere Beispiel für die Anwendung der DF-Mikroskopie von vor ca. 100 Jahren.

Dunkelfeld alte LiteraturDunkelfeld alte LiteraturDunkelfeld alte Literatur

Dunkelfeldmikroskopie alte Literatur:

  • EINFÜHRUNG IN DIE PHYSIOLOGIE DER EINZELLIGEN (PROTOZOEN), Dr. S. VON PROWAZEK IN HAMBURG, 1910, Seite 43
  • Handbuch der Pathogenen Protozoen. S. von Prowazek; Treponema pallidum (Schaudinn). Von Prof. Dr. Peter Mühlens, Hamburg. ERSTER BAND. Leipzig, 1912
  • Die Experimentelle Bakteriologie und die Infektionskrankheiten mit besonderer Berücksichtigung der Immunitätslehre, Kolle, Hetsch, 1922
  • Artikel: THE PURE CULTIVATION OF SPIROCHAETA DUTTONI, SPIROCHTETA KOCHI, SPIROCHAETA OBERMEIERI, AND SPIROCHAETA NOVYI. BY HIDEYO NOGUCHI, M.D. (From the Laboratories of The Rockefeller Institute for Medical Research, New York.), Seite 199f
  • Taschenbuch der mikroskopischen Technik der Protisten-Untersuchung. PROWAZEK, S. von / V. JOLLOS, Taschenbuch, 3. Aufl., Leipzig: Barth 1922.
  • Morphologie und Biologie der Spirochaeta pallida, Erich Hoffmann, Edmund Hofmann, Julius Springer in Berlin 1927
  • Klein, Herbert: Über die Verwendbarkeit der Dunkelfelduntersuchung bei fixierten, gefärbten Präparaten des normalen Zahnbelags (Leuchtbildmethode von E. HOFFMANN). Inaug.-Diss. Bonn 1921.
  • Philipp, E. und P. Gornick: Luesdiagnose durch Dunkelfeldnachweis der Spirochäten in der Nabelschnur. Zentralbl. f. Gynäkol. 1926. Nr. 28.

 

Blut und Erreger

Bevor ich diesen Beitrag abschließe, möchte ich noch kurz erwähnen, dass es durchaus auch wissenschaftliche Hinweise auf Spirochäten im Blut gibt (und beim Rückfallfieber ja als Bewiesen gilt), auch wenn ich natürlich weiß, dass manche glauben, dass Spirochäten im Blut ein reines „Kunstprodukt“ seinen und bezeichnen die Gebilde dann als „Pseudospirochäten“. Diese Autoren behaupten, dass es sich um Zerfallsprodukte corpusculärer Elemente des Blutes handele. Dies soll dann angeblich verflüssigtes Stromatin sein, welches dann in Fadenformen „auszufällt“. Doch diese Theorie erklärt so einiges nicht, denn wieso entstehen dann diese Fadenformen auch aus sogenannten „Cystformen“ (Gemmae), genauso kann man auch im Dunkelfeld beobachten, wie in manchem Blut Fadenformen aus den neutrophilen Granulozyten, als auch aus den Lymphozyten hervortreten. Auch konnte ich bereits beobachten, wie diese Fadenformen aus Trichomonaden von Rachenabstrichen einiger Singvögel austreten. Von 1000senden Forschern wurde bereits beschrieben, wie sich dieser aufwendige Lebenszyklus dieser „Fadenform“ vollzieht und es gibt zahlreiche Untersuchungen über die DNA dieser „Fadenform“.

Im nächsten Abschnitt noch etwas Literatur zu diesem doch sehr kontroversen Thema.

1913 Spirochaeta in blood 1913 Spirochaeta in blood Borrelia Anzucht Borrelia aus Blut Borrelia aus Blut

Diesen Beitrag schrieb ich für eine Frau, die mir eine E-Mail sendete und mir berichtete, dass mehrere ihrer Ärzte die Dunkelfeldmikroskopie ablehnen. Es ist auch völlig legitim etwas abzulehnen, allerdings wollte ich mir diesem Artikel eine nüchterne Beschreibung liefern, um einfach mehr Aufklärungsarbeit zu leisten. Es ist nur eine kleine Auswahl der Literatur, um einen Eindruck zu vermitteln,  außerdem wird die Dunkelfeldmikroskopie auch zur Prüfung von Glasfaserkabeln verwendet, so gesehen ist das Anwendungsgebiet sehr weit aufgefächert. Ich hoffe, dass ich mit meiner akribischen Auflistung einen Beitrag liefern konnte, der die Dunkelfeldmikroskopie aus der „Esoterik-Ecke“ zu schieben vermag, um einfach zu zeigen, dass das Dunkelfeldmikroskop in vielen Bereichen seine Berechtigung besitzt.

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