Blutinventur

Mikroskopische Blutinventur

Die Blutinventur oder auch hämatologische Inventur beschreibt eine Aufstellung aller Blutbestandteile während einer Mikroskopie, ohne dabei die Bestandteile in „Gut oder Böse“ einzuteilen.

Die Inventur leitet sich vom lateinischen invenire „etwas finden“ oder „auf etwas stoßen“ ab. Das Inventarium ist das lateinische Wort für „Gesamtheit des Gefundenen“.

Bild: Natives Blut (dicker Tropfen)

Bei meinen Mikroskopie-Schulungen bin ich immer sehr darauf bedacht, dass man unvoreingenommen an eine Probe heran geht und erstmal recht nüchtern die einzelnen Strukturen und Gebilde auflistet. Natürlich ist es dabei wichtig zu wissen, wie die Blutbestandteile aussehen, um sie aufzulisten und zählen zu können.

Schwierig wird es dann, wenn es sich beispielsweise um ein Bakterium handelt. Auch hier ist es wichtig erstmal nüchtern das Bakterium zu beschreiben, wie Größe, Form und Bewegung. Wissenswert ist auch, ob es sich extrazellulär oder intrazellulär in einem der Blutzellen befindet. Jederzeit können Bakterien, Pilzsporen oder Luftbestandteile auf einen Objektträger gelangen, jedoch ist dies bei intrazellulären, beweglichen Gebilden auszuschließen.

Da Diagnosen nur ein Arzt stellen darf (teilweise auch ein Heilpraktiker), ist es für den Rest der Mikroskopie-Begeisterten schwierig eine Aussage zu treffen, zwar darf man sagen: „Guck mal auf der Straße läuft ein Eichhörnchen!“, aber es ist nicht erlaubt zu sagen: „Guck mal in der Probe schwimmt eine Borrelie!“.

Somit ist es klar, dass man keinen Namen eines Erregers nennen darf, aber durchaus Größe, Form, Aufenthaltsort und Bewegungsmuster.

 

Wieso ein Dunkelfeldmikroskop?

Für die hämatologische Inventur ist es wichtig ohne Anfärben ein kontrastreiches Bild zu bekommen. Dies ist mit einem Dunkelfeldmikroskop möglich. Ein Phasenkontrastmikroskop würde aber auch funktionieren.

Der Ablauf

Man benötigt für einen Proband zwei BukoVitaN®-Röhrchen. Vier Tropfen kapillares Blut werden pro BukoVitaN®-Röhrchen abgesaugt und mit der Nährlösung vermengt. (Die Röhrchen werden bei mir bestellt: nadine@bukovitan.de) Wenn der Proband einen normalen Tag-Nacht-Rhythmus besitzt, wird um 18Uhr das kapillare Blut abgenommen. Normaler Tag-Nacht-Rhythmus bedeutet, dass der Proband nachts schläft und tagsüber wach ist. Den gesamten Tag über (vor der Blutabnahme) sollte der Proband ausgiebig Essen und Trinken. Eine halbe Stunde vor der Abnahme, also um 17:30 Uhr, muss ein Teelöffel Honig oral verabreicht werden.

Dunkelfeldmikroskopie
Ablauf der Blutentnahme

Nach der Abnahme legt man die Röhrchen in den Kühlschrank. (Ich betone hier nochmal: HINLEGEN! und nicht auf die Kappe stellen, da sonst die Blutzellen in die Kappe sedimentieren.)

Wichtig ist, dass ab jetzt bis zur Beprobung die Probe nicht höher als 29°C erhitzt wird.

Jetzt stellt sich die Frage:

Wie lange darf die Zeit zwischen der Abnahme und der Mikroskopie dauern?

Im Grunde sollte man so schnell wie möglich die Proben weiter verarbeiten. Dennoch ist es möglich, wenn sauber gearbeitet worden ist, dass man 10 Tage nach der Abnahme noch qualifizierte Bilder bekommt.

Was muss man vor Beginn der Mikroskopie beachten?

Die Proben sind nun am Ort des Mikroskops angekommen. Um eine immer gleichmäßige Verfahrensweise zu gewährleisten kommen die Proben für 3-12 Stunden in den Kühlschrank, dadurch starten alle Proben bei derselben Temperatur.

Zwei verschiedene, aber wichtige Wege

Nun wird das Blut aufgeteilt. Der eine Teil, die sogenannte „Kaltvariante“, wird direkt zum Mikroskopieren verwendet. Hier ist also die Temperaturspannweite von +8°C bis +21°C, wie im Inneren einer Zecke, eines Flohs, einer Mücke, einer Milbe oder einer Wanze.

Der andere Teil wird bebrütet. Das Blutröhrchen wird dazu für drei Stunden Wärme ausgesetzt, wie bei einem Warmblüter. Da die roten Blutkörperchen nicht beschädigt werden sollen, darf die Temperatur nicht über 39,7°C liegen und sollte nicht unter 37°C fallen während der Bebrütung. Anschließend wird die Probe auf den Objektträger gegeben und die Temperatur senkt sich bis auf Raumtemperatur ab.

Blutinventur
(c) Nadine Bukowski

Zielsetzung

Das Blut befindet sich, wie bereits erwähnt, in einer Nährlösung (BukoVitaN®), dadurch wird der extrazelluläre Raum vergrößert, durch die Vergrößerung des extrazellulären Raumes erhält man ein klareres Bild.

Das Blut in der Nährlösung wird in beiden Varianten (Warm- und Kalt-Variante) über einen Zeitraum von 24 Stunden beobachtet. Hier kommt es immer auf die Resistenz des Blutes an, aber ein gängiges Schema ist: Direkt (Zeitpunkt: Null), nach 3 Stunden, nach 6 Stunden und nach 24 Stunden und das mit beiden Varianten. (Anpassung der Methode wird aber im jeweiligen Fall neu ermittelt.)

Dunkelfeldmikroskopie
Ablauf der Blutinventur

Was wird beobachtet und aufgelistet?

  • Aufgelistet werden alle Blutbestandteile (u.a. die Immunzellen des peripheren Blutes) und welche Besonderheiten man dabei beobachten konnte, z.B. Form und Größe.
  • Auch werden die roten Blutkörperchen untereinander und in Größenrelation zueinander verglichen.
  • Nachdem dies geschehen ist, widmet man sich den Objekten, die nicht zu den Blutzellen oder Blutplättchen gehören.

Arbeitsumfang

Während des gesamten mikroskopischen Teils werden Bilder und Videos mitgeschnitten und sich Notizen gemacht.

Nachdem der Teil der Mikroskopie abgeschlossen ist werden die Fotos chronologisch in ein PDF eingefügt und beschriftet.

Die Videos werden separat zusammengefügt, teils auch beschriftet und in chronologisch richtiger Reihenfolge sortiert.

Für wen ist die hämatologische Inventur (Blutinventur) interessant?

Ich biete diese Mikroskopie-Schulung Denjenigen an, die sich für die Blut-Mikroskopie interessieren und lernen möchten, was man strukturiert finden kann. Viele besitzen bereits ein Dunkelfeldmikroskop und möchten noch diese Methode erlernen, andere überlegen sich ein Mikroskop anzuschaffen um mehr Einblick in den eigenen Körper zu erlangen und möchten im Vorfeld erleben, was man alles erfahren kann.

Kontakt

Dunkelfeldmikroskopie
Das BukoVitaN-Konzept

 


Wissenswertes über die Blutbestandteile

Das Blut besteht in seiner Gesamtheit aus einem flüssigen Teil, dem Blutplasma, und den festeren (geformten) Blutbestandteilen (45 % des Blutes).

Zu den festen Bestandteilen, den Blutzellen, gehören die roten Blutzellen (rote Blutkörperchen oder Erythrozyten), die weißen Blutzellen (weiße Blutkörperchen oder Leukozyten) und die Blutplättchen (Thrombozyten).
Die am häufigsten anzutreffenden Zellen sind die roten Blutkörperchen (Erythrozyten).
Das Blut ist ein vielseitiges Transportmittel. Die roten Blutzellen transportieren den Sauerstoff von der Lunge in den Körper und das Kohlenstoffdioxid von den Körperzellen zur Lunge.

BukoVitaN Blutinventur Nadine Bukowski
Blutinventur

Bau der Blutbestandteile:

Durch den Körper eines erwachsenen Menschen fließen ca. 5 bis 6 Liter Blut. Mithilfe eines Mikroskops kann man seine Zusammensetzung erkunden.

Rote Blutzellen (Erythrozyten)

Sie sind kernlos und außen umgrenzt durch eine Zellmembran. Sie enthalten den roten Farbstoff Hämoglobin. Sie sind kreisrund, scheibenförmig und auf beiden Seiten in der Mitte eingedellt (7 bis 8 Mikrometer im Durchmesser), es sind bikonkave Scheiben. Ihr Bildungsort ist das rote Knochenmark, z. B. in den Wirbeln, im Brustbein. Da sie nur eine Lebensdauer von etwa 120 Tagen haben, müssen sie laufend neu gebildet werden.

Weiße Blutzellen (Leukozyten)

Sie besitzen einen Kern und bewegen sich amöboid vorwärts. Das heißt, sie können ihre Form laufend ändern.
Ihr Bildungsort ist das Knochenmark.
Ihre Lebensdauer beträgt etwa 10 Tage.

Aufgabe: Vernichtung eingedrungener Krankheitserreger und Fremdkörper, Antikörperbildung.

Blutplättchen (Thrombozyten)

Sie sind kernlose, sehr, sehr kleine, verschieden geformte Gebilde, keine Zellen im wirklichen Sinne (0,5 bis 3,6 Mikrometer im Durchmesser). Ihr Bildungsort ist das Knochenmark.
Ihre Lebensdauer beträgt etwa 4 bis 10 Tage.

Aufgabe: Gerinnung des Blutes, Bakterienabwehr und Wundverschluss

Blutplasma

Die helle Flüssigkeit, die ca. 55 % des Blutes ausmacht, ist das Blutplasma. Es besteht zu etwa 90 % aus Wasser, in dem ca. 10 % gelöste Stoffe, z. B. Eiweiße, Traubenzucker, Harnstoff, Kochsalz, enthalten sind. Blutplasma enthält den für die Blutgerinnung wichtigen Stoff, das Fibrinogen. Blutplasma ohne Fibrinogen bezeichnet man als Blutserum.

 

Diese Gebilde gehören nicht in das Blut:

Verschiedene Methoden, je nach Wissensschwerpunkt

Nicht immer benötigt man eine große Blutinventur. Hier sind zwei weitere gängige Methoden beschrieben, die ich auch anwende.