Dunkelfeldmikroskopie

Persistierende Borreliose – Überdauerungsstadien

Ein Aspekt der Borreliose, welcher mich seit vielen Jahren begleitet, ist die Frage, ob man die Lyme-Borreliose-Spirochäten jemals zum Verschwinden aus dem Körper bringen kann. Viele Menschen haben bereits davon gehört, dass man angeblich eine Borreliose niemals wieder loswird. Es kommt einem fast unehrlich vor, wenn man hört, dass es ein Post-Lyme-Syndrom geben soll ohne die Anwesenheit von entsprechenden Spirochäten mit bleibender (persistierender) Symptomatik. Das klingt nach einem Geist, der noch im eigenen Körper umherirrt, während der Rest bereits von ihm gegangen ist. Manchmal habe ich das Gefühl, als würde man so tun, als wäre das Mikroskop noch nicht erfunden worden und wir müssten alle weiterhin im Unklaren bleiben.

Vergleichen wir einmal andere Erreger und dessen vielfältige Erscheinungsformen in Bezug auf die Symptomatik und Ausheilung, wobei wir oft den Begriff „Heilung“ so verwenden, dass wir darunter das Verschwinden der Erreger und die Wiederherstellung von eingebüßten Körperfunktionen verstehen. Doch gibt es vielfältige Beispiele, wo sich zeigt, dass es alle möglichen Übergangsformen gibt:

  1. Überstehen einer Erkrankung, z.B. Pneumonie, ohne den Erwerb einer Immunität, was bedeutet, dass eine Neuinfektion jederzeit möglich ist.
  2. Immunität nach durchgemachter Erkrankung, wie z.B. nach Scharlach oder Pocken.
  3. Nach durchgemachter Erkrankung setzt eine gesteigerte Empfänglichkeit für dieselbe Infektion ein.
  4. Immunisierung nur so lange, wie noch keine vollständige Ausheilung zu beobachten ist.
  5. Trotz Heilung treten zuweilen Rezidive auf, z.B. Typhus.
  6. Erreger werden dauerhaft ausgeschieden. Trotzdem ist der Patient vollständig genesen und ist auch sein Leben lang immungeschützt vor erneutem Krankheitsausbruch.
  7. Erreger sind vorhanden ohne jemals zur Krankheit zu führen. Z.B. können vermeidlich gesunde Frauen auch syphilitische Kinder zur Welt bringen, ohne dass man zuvor wusste, dass diese Frau erkrankt sei.

Die Syphilis und die Borreliose sind beides Spirochätosen (Erkrankungen durch Spirochäten). Bei der Syphilis ist es bekannt, dass auch nach Verschwinden der Symptome und negativer Blutmikroskopie, trotz alledem Lymphdrüsenpunktate, auf Kaninchen übertragen, hochansteckend sind und beim Kaninchen zum vollständigen Aufflammen der typischen Symptome führt. So gesehen ist selbst eine Ausheilung der Syphilis nicht gekennzeichnet von einer vollständigen Auslöschung der Erreger im lymphatischen Gewebe. Genauso verhält es sich auch bei Borrelia recurrentis.

 

In unserer heutigen Vorstellung nehmen wir ein Antibiotikum ein und lassen es die Arbeit erledigen, was unser Immunsystem nicht geschafft hat. Doch in Wirklichkeit ist es viel komplizierter. Zum einen ist es möglich, dass ein ganz anders Bakterium abgetötet wird und das Immunsystem nun sich um das eigentliche Bakterium kümmern kann, so gesehen erledigt dann doch das Immunsystem die weitere Arbeit, oder das Antibiotikum verbraucht sich an einem anderen Bakterium und wird unwirksam, ohne dass das Immunsystem dadurch eine Entlastung erfährt. Aber nehmen wir an es passiert so wie im Reagenzglas: Das Bakterium, auf das wir es abgesehen haben, wird zerstört, jetzt verliert das Bakterium seine Deckung, weil alle Proteine, Lipoproteine oder Lipopolysaccharide frei gelassen werden. Durch diesen Umstand kommen die Immunzellen mit den verschiedenen Stoffen in Berührung und es kann sich die Proteine „merken“. Hier haben aber Forschungen gezeigt, dass der Zeitpunkt der Antibiose einen Einfluss auf die Immunität (in diesem Fall der Syphilis-Spirochäte) nimmt. Eine geringe Spirochäten-Anzahl die getroffen und abgebaut wird, führt zu keiner nennenswerten Immunität. Es kann also zu einer erneuten Infektion kommen. Außerdem können Spirochäten wenn sie angegriffen werden ihre Bewegungen beschleunigen und sich häufiger Teilen, wie bereits von Dr. Silo Bergel (Berlin 1925) erstmalig als Filmdokument gezeigt wurde. 1931 wurden die Filmaufnahmen nachbearbeitet.

Beweist das Vorhandensein von einzelnen Borrelien irgendwo im Körper bei sonstiger Symptomlosigkeit eine wirkliche Erkrankung, oder können sie auch bei Geheilten vorkommen?

Wenn die Anzahl und Virulenz der Borrelien soweit vermindert sind, dass sie nicht mehr entzündliche Reaktionserscheinungen zu unterhalten vermögen, verschwinden die Entzündungen und mit ihnen die klinischen Symptome, ohne dass aber alle Borrelien vernichtet sein brauchen. Diese Aufgabe übernehmen in erster Linie die Lymphozyten. Wichtig zu verstehen ist auch, dass die Anzahl der Borrelien nicht so entscheidend ist, wie ihr potential Gifte auszusenden. Dieses Gift wird nur dann im Körper bemerkt, wenn das Gift/Toxin einen Andockplatz findet. Ein Toxin, welches hinausgeschwemmt wird und sich weder verändert noch mit einem anderen Stoff reagiert, macht keinerlei Probleme für einen Organismus. Nach der Verdrängung der Borrelien setzt die symptomfreie Phase ein. Borrelien überdauern nun und können aber jederzeit ein Rezidiv bilden (also wieder die Oberhand gewinnen).

Der Zerfall in Körnchen, sogenannte Granular der Borrelien, ist ein typisches Ausweichmanöver der Borrelien (und aller anderen Spirochäten). Auch bei lytischen Produkten (spaltende Stoffe) der Lymphozyten kann man dies beobachten, allerdings gibt es hier auch eine gewisse Auflösung dieser Körnchen. Dennoch bleiben auch hier immer einzelne Borrelia-Körnchen zurück, die sich weiterhin infektionsfähig zeigen.

Kurz zur Definition: Borrelien sind in der Lage aus ihrem gesamten Spirochätenleib eine Kugel zu bilden, z.B. bei Nahrungsmangel, weil dadurch die Oberfläche verringert wird, dies wird auch als Gemma oder Cyst-form beschrieben.

 

Quelle:

Elektronenmikroskopische Untersuchungen an Borrelien – Ultrastruktur und Immuncytologie –

Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Naturwissenschaften an der Fakultät für Biologie der Ludwig-Maximilians-Universität München vorgelegt von Birgit Rößle Juli 2001

Der Zerfall in Körnchen meint aber etwas anders, nämlich dass aus einem Spirochätenkörper mehrere gleichgroße Minikügelchen entstehen.

Quellen: Dutton & Todd (1905-07), Koch (1905, 1906), Fantham (1911-16), Leishman (1907/20), Hindle (1911b), Hatt (1929), Nicolle u.a. (1930), Hampp und Mitarbeiter (1948), Allan MacDonald (2014)

Aus jedem Minikügelchen entsteht dann wieder eine einzelne Jung-borrelie. Diese sind recht schwierig mit dem Mikroskop einzufangen, aber es gelingt dem geübten Auge schon sie zu entdecken. Höchstwahrscheinlich sind die Körnchen und die späteren Jung-Borrelien der Grund für die Rezidivbildung.

Ein paar Borrelien in einem Organismus sind keine Erkrankung, dennoch ist man infiziert. Wann es zu einem Ausbruch kommt ist von so vielen Faktoren abhängig. Aus biologischer Sicht ist es aber so, dass eine Borrelie eher in den warmen Monaten ihren Wirt verlassen möchte, wenn auch die Zecken aktiv sind, deshalb veranlasst sie ihr Opfer sich ins kühle Gras zu legen und viel zu schlafen, dann hat es die Zecke einfacher.

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