Die Entdeckung des Malaria-Erregers im menschlichen Blut und Zerfallsprodukte

Die Entdeckung des Malaria-Erregers im menschlichen Blut und Zerfallsprodukte

Malaria ist eine Erkrankung mit Blutparasiten. Dies wissen wir heute und es erscheint vielen Menschen für selbstverständlich, aber es war ein langer Weg dorthin bis die Medizin den Parasiten auch als solchen akzeptiert hatte.

Die Entdeckung des Malariaparasiten gelang mit dem Mikroskop am 6. November 1880 durch den französischen Militärarzt und Professor an der Schule Val de Grace, Alphonse Laveran in Algerien. Ein ebenso logischer wie glücklicher Gedanke brachte ihn darauf, das Pigment, welches Malariakranke aufweisen, im Blute des lebenden Menschen zu beobachten, um auf diese Weise die Befunde vom Gefäßsystem der Leichen zu ergänzen. Heute wissen wir, wie dieses Pigment zustande kommt. Der Malariaparasit lebt im Zytoplasma der roten Blutkörperchen und spaltet dort die Hämoglobin-Moleküle, um daraus Proteine für seinen eigenen Stoffwechsel herzustellen. Dazu benötigt der Malariaerreger das Globulin und aus dem Häm (eisenhaltiges Protoporphyrin) entsteht dabei Hämozoin, das vom Parasiten kristallisiert wird und unter dem Mikroskop in den infizierten Erythrozyten als Pigment (Farbstoff) erkennbar ist. Dieses Pigment wird dann aber auch beim Abbauprozess in die Leber verschoben. Laveran war der erste Forscher, welcher die parasitäre Natur der betreffenden Pigmente vermutete und sich von der Richtigkeit seiner Vermutung durch andauernde Untersuchungen auf das Sicherste überzeugte. Viele der damaligen Wissenschaftler nahmen zwar dieses Pigment wahr, aber keiner, außer Laveran, erkannte seine Bedeutung.

Aber wer waren diese Forscher?

Heinrich Meckel von Hemsbach war der Erste, welcher im Jahre 1847 im Blut und in den Organen einer verstorbenen geisteskranken Frau Pigment vorgefunden und beschrieben hat. Heinrich Meckel von Hemsbach war Professor der Pathologischen Anatomie an der Charité Berlin. Professor Virchow war bei der Sektion dieser Leiche anwesend und hatte später (in Berlin) die Gelegenheit mehrere Fieberleichen zu sezieren und das Vorkommen von Pigmentzellen im Blut zu beweisen. Somit galt es also als gesichert, dass die Malariaerkrankung irgendetwas mit dem Pigment zu tun haben muss, doch man verstand es damals (noch) nicht. Man muss sich auch vergegenwärtigen, dass man zu dieser Zeit noch nicht an Erreger als Krankheitsursache so recht „glauben“ wollte. Häufig konnte man sich gar nicht vorstellen, dass mikroskopisch kleine Dinge eine große Wirkung haben können.

 

Doch dann kam es zu der bahnbrechenden Entdeckung am 6. November 1880.

Laveran beobachtete im Mikroskop rote Blutkörperchen, diese aus Blutproben malariakranker Menschen stammten, manche davon erschienen als hyaline Körperchen mit Pigmenten.

Er sah während der Blutuntersuchung, wie aus einem solchen Körperchen plötzlich mehrere lange Geißelfäden hervorschlüpften und daraufhin  im Blut lebhafte peitschende Bewegungen ausführten, deshalb nannte er sie auch: „filaments mobiles“. Laveran fand seine Vermutung, dass diese hyalinen, pigmentierten Körperchen im Blut Malariakranker Parasiten seien, bestätigt. Zu Anfang hielt er diese Körper wegen der Geißelfäden für Gebilde, welche in die Familie der Oscillarien gehören und schlug deshalb den Namen Oscillaria malariae vor. Es stellte sich jedoch bald heraus, dass die beweglichen Körper in die Reihe der niederen Tiere, also zu den Protozoen, zu rechnen sind und bis heute gehören die Malariaplasmodien zu den Protozoen.

Spott und Verhöhnung

Doch einige der damaligen Wissenschaftler waren damals gnadenlos und bezeichneten die Entdeckung als „durch Hitzewirkung erzielte Spaltungsproducte der rothen Blutkörperchen“, als „Degenerationen der rothen Blutkörperchen“, das Pigment wurde hier von einigen als „Coccen“ bezeichnet oder andere änderten immer wieder ihr Meinung und bezeichneten sie mal als „Kunstproducte“, welche sie drei Jahre zuvor noch als Bacillen angesehen haben, dies waren Marchiafava und Cuboni. Ettore Marchiafava war ein italienischer Mediziner, Pathologe und Neurologe und mit  Giuseppe Cuboni schrieb er „Nuovi studi sulla natura della malaria“ in Rom 1881.

Doch im Jahr 1885 änderte Ettore Marchiafava plötzlich seine Meinung und schrieb mit Angelo Celli: „Weitere Untersuchungen über die Malariainfection“. Fortschritte der Medicin, München, 1885, 3 : 787-806. Hier wurde erstmalig der Name Plasmodium malariae verwendet. Diese beiden Autoren, die sich noch vor kurzer Zeit für Degenerationen der roten Blutkörperchen aussprachen, meinten nun, dass diese Körperchen Parasiten seien.

Den Anlass zu dieser Meinungsumkehr gab eine an frischem Blut gewonnene Beobachtung. Sie fanden kleine unpigmentierte Körperchen, die lebhafte amöboide Bewegungen zeigten.  Also fünf Jahre nach Laverans Entdeckung gaben die lebhaften und verschiedenartigen Bewegungserscheinungen im frischen Blut, die dann die Wissenschaftler mit eigenen Augen sehen konnten, die Bestätigung, dass es sich mit größter Sicherheit doch um Parasiten handle, die die Malariaerkrankung hervorrufen. Von diesem Zeitpunkt an wurden die Untersuchungen der beiden Autoren (Marchiafava und Celli) für die Kenntnis dieser Organismen nützlich.

Auch der für die Malariaparasiten gebräuchliche Name »Plasmodium malariae« rührt von Marchiafava und Celli her. Dies ist aber eigentlich eine Verhöhnung gegen Laveran, weil Marchiafava und Celli unbedingt ihren Namen für „unpigmentierte Körperchen“ in der Geschichtsschreibung verankern wollten. Und somit gibt es im Namen des Malariaparasiten keinen Hinweis mehr auf Alphonse Laveran.

Die Zoologen der damaligen Zeit (z.B. E. Metschnikoff) sprachen sich übrigens für den Namen „Haematophyllum malariae“ aus, der aber nicht übernommen wurde.

 

Quelle: DR. JULIUS MANNABERG „MALARIA-PARASITEN; AUF GRUND FREMDER UND EIGENER BEOBACHTUNGEN DARGESTELLT“, WIEN 1893

 

Die Auszeichnung und Ehre

Charles Louis Alphonse Laveran (18. Juni 1845 bis 18. Mai 1922) erhielt im Jahre 1907 den Nobelpreis für Medizin, weil er als erster den Malariaparasiten entdeckt hatte und weil er auch über die Bedeutung der Trypanosomen im Blut als Krankheitserreger aufgeklärt hatte. Man könnte aber auch sagen, weil er als erster nicht den Malariaparasiten mit „Zerfallsprodukten der roten Blutkörperchen“ verwechselt hatte. Seine Thesen haben bis heute Bestand.

Doch eine Frage ist hier in meinem Beitrag noch nicht geklärt worden, nämlich wie die Parasiten in das Blut hineingelangt waren. Auch wenn die Menschen schon zu früheren Zeiten den Verdacht besaßen, dass die Mücken der Sümpfe für die Übertragung der Krankheit verantwortlich seien, aber erst der englische Militärarzt Ronald Ross deckte den Weg des Malariaparasiten in die Mücke und hinaus aus der Mücke auf. 1902 erhielt er dafür den Nobelpreis, also noch fünf Jahre vor Alphonse Laveran.

 

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